Open-Source auf dem Smartphone

Mein Einstieg in die Smartphone-Welt ist noch recht jung. Nachdem ich zunächst zum Testen ein Medion-Tablet genutzt habe, bin ich seit letztem Sommer Besitzer eines Lenovo Moto G4 Plus, das mir als Allround-Kommunikationszentrale sehr gute Dienste leistet, auch wenn ich viele andere Aufgaben dann doch lieber weiterhin am Computer erledige. Nicht zuletzt durch die jüngsten Weiterentwicklungen der Zugänglichkeitsoptionen von Android ist dieses System auch für blinde und sehbehinderte Nutzer zu einer ernstzunehmenden Alternative zum bisherigen Platzhirschen iOS geworden. Viele aus iOS bekannte Apps gibt es auch in einer Android-Version bzw. haben unter Android entsprechende Alternativen von anderen Entwicklern.

Da ich ein Fan von Open-Source-Software bin, habe ich natürlich auch auf meiner ersten Mobil-Plattform Ausschau nach entsprechenden Apps gehalten. Eine meiner ersten Handlungen war es, den F-Droid-Client nachzuinstallieren. Hierbei handelt es sich um einen alternativen Store, welcher sich auf quelloffene Android-Apps spezialisiert hat. Viele der im Playstore verfügbaren Apps finden sich auch dort, und lassen sich auf diese Weise an Googles Infrastruktur vorbei installieren. Dabei kommt die Sicherheit jedoch nicht zu kurz, verspricht zum Teil sogar besseren Schutz als der Playstore. Der Aufbau des F-Droid-Systems orientiert sich daher auch an Paketverwaltungen, wie man sie von Debian kennt. Auch für den Nutzer bietet F-Droid einige Zusatzinformationen, die man im Playstore wohl nicht erhalten würde. Neben der üblichen Information, ob eine App Werbung enthält, wird unter anderem sogar darauf hingewiesen, wenn eine quelloffene App nicht-quelloffene Dienste bewirbt oder den Nutzer standardmäßig trackt. Derartige Features werden bei F-Droid allgemein als Anti-Features zusammengefasst.

Und was ist mit Open-Source auf dem Smartphone eigentlich so möglich?

Hier ist eine Liste der quelloffenen Apps, die derzeit auf meinem Telefon installiert sind. Nicht alle sind via F-Droid erhältlich, sind aber trotzdem quelloffen. Sämtliche Apps sind gut bis sehr gut mit TalkBack zugänglich. Einige Apps werde ich hier im Blog auch noch detailierter vorstellen.

  • Amaze File Manager: Verwaltung von lokalen Dateien, unterstützt jedoch auch Samba-Shares.
  • AndStatus: Microblogging-Client, der neben Twitter auch GNU-Social-Konten verwalten kann.
  • AntennaPod: Weithin bekannter Podcatcher.
  • Barcode Scanner: Erkennt verschiedene Barcode-Typen und QR-Codes, kann auch QR-Codes erstellen.
  • Conversations: Vielseitiger XMPP-Client (Jabber etc). Via F-Droid ist Conversations kostenlos erhältlich.
  • Cool Mic: Icecast-Client, welcher das Mikrofonsignal oder eine via OTG-Kabel angeschlossene Soundquelle in den Audioformaten Ogg und Opus streamt.
  • Firefox: Diesen Browser gibts natürlich auch für Android.
  • K-9 Mail: Ein vielseitiger E-Mail-Client.
  • Omni Notes: Einfache Notiz-App, unterstützt neben Notizen auch ToDo-Listen und Erinnerungen.
  • Open Camera: Sehr detailreich konfigurierbare Kamera-App (ja, auch Blinde brauchen manchmal sowas).
  • VLC for Android: Der bekannte Mediaplayer als Android-Version.

Bestimmt wird diese Liste noch etwas wachsen. Natürlich spielt für mich die Screenreader-Zugänglichkeit beim Aussuchen einer App eine wesentliche Rolle. Doch gerade bei Open-Source-Software werden derartige Dinge gern aufgegriffen und etwaige Probleme oftmals schnell behoben. So ließen sich z. B. in AndStatus mittels TalkBack die in einem Tweet angegebenen Links nicht korrekt öffnen. Es kostete mich jedoch nur wenige Zeilen Text, um dem Entwickler via GitHub-Issue mein Anliegen zu schildern, wenige Wochen später gab es eine neue Version, in der das Problem mit einem zwar immer noch nicht ganz perfekten, aber immerhin funktionierenden Workaround behoben war. Man muss also kein Programmierer sein, um an Open-Source-Projekten mitzuwirken.

Kommentar eintragen

HTML-Code wird als normaler Text angezeigt, Links und Email-Adressen werden automatisch umgewandelt.

Ping hinzufügen

Trackback-URL : https://www.robbinaer.info/index.php?trackback/84

Page top